"Lauschangriff", heute aus dem SPD Bürgerbüro Pasing

In dieser neuen Kategorie wird ab 2018 immer aktuell über innerparteiliche Erneuerungen, Ideen oder Plänen aber auch Anträgen beim Bezirksausschuss 21 Pasing/Obermenzing der verschiedenen Parteien berichtet. Hierzu ist der Pasinger Onlinekurier bei öffentlichen Meetings und Veranstaltungen als Gast und Berichterstatter vor Ort. Den Auftakt macht heute die SPD Pasing, hier fand am 13.Dezember 2017 ein runder lebhafter Tisch statt.


Seit fast 45 Jahren ist das bei den Pasingern liebevoll als "Rote Villa" bekannte Haus, die Parteizentrale des SPD Ortsverein Pasing.

Das Haus Alte Allee 2 an der Kreuzung Alte Allee/Pippinger Straße  wurde 1897 von August Exter im Stil der Neorennaissance erbaut und beherbergte unter anderem das „Baubüro der Exter’schen Kolonien“. Im Erdgeschoß befand sich ein Geschäft für Kolonialwaren, das zusammen mit der Bäckerei im Nachbarhaus (Alte Allee 4), der Nahversorgung der entstehenden Villenkolonie II (westl. der Pippinger Straße) dienen sollte.

Das Gebäude, das unter Denkmalschutz steht, gehört heute dem Münchner Kindl-Heim. Die Mieteinnahmen kommen Münchner Waisenkindern zu Gute.

Nachdem Anfang der 1970er Jahre der Lebensmittelladen aufgegeben wurde, zog die SPD mit einem Bürgerbüro für den Münchener Westen dort ein. Die Bundestagsabgeordneten Manfred Marschall (bis 1983) und Hanna Wolf (1990-2002), sowie die Landtagsabgeordneten Dr. Monica Hornig-Sutter (1978-1982), Manfred Jena (1982-1986), Anne Hirschmann (1994-2003) und Florian Ritter (seit 2003) haben bzw. hatten dort ihre Wahlkreisbüros. 


GroKo, KoKo, tolerierte Minderheitsregierung oder Neuwahlen? Während in Berlin die SPD noch um die Neuausrichtung der Partei streitet, hat in Pasing bereits die Zukunft begonnen, zumindest wenn man dem Namen des neuen Arbeitskreises der SPD Pasing glaubt, der sich in der zweiten Adventswoche in der „Roten Villa“ an der Alten Allee konstituiert hat. Im Pasinger SPD-Hauptquartier tagte zum ersten Mal das „Zukunftsforum“, das sich mit grundliegenden Fragen der Sozialdemokratie und aktuellen Herausforderungen wie Bodenrechtsreform, Mietspekulation, Bürgerversicherung oder Arbeit im digitalen Zeitalter befassen wird.

Neu dabei ist auch, dass das Zukunftsforum öffentlich tagt, also alle Bürgerinnen und Bürger dazu eingeladen sind und mitdiskutieren können.

 

Im Rahmen der neuen Rubrik „Lauschangriff“ war der Pasinger Onlinekurier bei diesem Treffen mit dabei. Bei der Auftaktveranstaltung kamen 15 Parteimitglieder und Gäste, die planten, wie das Zukunftsforum arbeiten soll. Einig waren sich alle Anwesenden, dass die Themen provokant angegangen und kontrovers diskutiert werden sollen. Im Gegensatz zu klassischen Parteiveranstaltungen sollen neue Debattierformen ausprobiert und ein Rahmen für offene Rede und Gegenrede geschaffen werden. Ziel ist es, dadurch einen Freiraum für „konstruktives Querdenken“ zu schaffen. Moderiert wird das Zukunftsforum vom Sprecher des SPD-Jugendverbandes JUSOS in Pasing, Daniel Wiegand, und Raoul Koether, Vorstandsmitglied des SPD-Ortsvereins.

Mit Raoul Koether sprach der Onlinekurier zum neuen Politformat:

Raoul, wie seid ihr auf die Idee des Zukunftsforums gekommen?

 

Raoul: Nach der verlorenen Bundestagswahl kamen ja recht schnell Ideen auf, was sich in der SPD ändern soll. Anfang Oktober bin ich mit Hetty, meinem Hund, im Stadtpark spazieren gewesen und hab‘ mir gedacht, was mir eigentlich abgeht, ist ein Forum, wo ohne Formalia und Tagesordnungspunkte einfach mal über Politik diskutiert wird. Und das nicht nur mit anderen SPDlern, sondern mit interessierten Leuten und unterschiedlichen Meinungen. Noch vom Stadtpark aus habe ich dann Daniel Wiegand eine SMS geschickt, ob er mitmachen will. Die Pasinger SPD-Mitglieder und unser Vorstand haben die Idee dann auch gleich unterstützt.

 

 

Wenn man sich aktuelle Entwicklungen, zum Beispiel in Frankreich mit Emmanuel Macrons Bewegung En Marche anschaut, sind klassische Parteien überhaupt noch zeitgemäß?

Ich glaube auf alle Fälle, dass Parteien noch zeitgemäß sind. Im deutschen Parteiengesetz steht, dass Parteien „ein verfassungsrechtlich notwendiger Bestandteil der freiheitlichen demokratischen Grundordnung“ sind. Sie haben also quasi Verfassungsrang. Allein das gibt ihnen eine gewisse Bedeutung. Was vielleicht nicht mehr ganz zeitgemäß ist, ist das „klassisch“, wenn man sich langatmige Sitzungen mit den ewig gleichen Leuten vorstellt, die hauptsächlich reden, damit die Luft bewegt ist. Bei uns in der Pasinger SPD ist das Gott sei Dank ohnehin nicht so, aber viele stellen sich das halt so vor. Deswegen ist es wichtig andere Angebote, wie unser Forum zu schaffen, wo sich die Menschen auch trauen hinzugehen. Nur so kriegen wir, glaube ich, das mit der Bürgerbeteiligung auch hin.

 

Meint ihr das mit der Bürgerbeteiligung aus wirklich ernst?

Ja, klar. (lacht) Aber im Ernst: viele glauben ja, dass Bürgerbeteiligung deswegen so schlecht funktioniert, weil immer nur die anstrengenden Menschen teilnehmen. Ich glaube, wenn wir, also unsere Partei, die Politik, unsere Gesellschaft, nicht schleunigst anfangen, wieder mehr miteinander zu diskutieren und einander zuzuhören, dann wird unser gesellschaftlicher Zusammenhalt, der ohnehin schon erodiert, ziemlich schnell den Bach runtergehen.

 

Glaubt ihr, dass ihr mit dem Zukunftsforum die SPD tatsächlich verändern werdet?

Wir glauben, dass wenn man etwas verändern will, am besten direkt vor der eigenen Haustür anfängt, also ganz klein bei uns in Pasing. Ob sich dann daraus mehr entwickelt, weiß ich nicht. Das ist aber auch nicht unser Ziel. Unser Ziel ist es, hier bei uns vor Ort etwas zu verändern.

 

Haben Eure Themen dann auch einen lokalen Bezug zu Pasing und München oder beschäftigt ihr Euch nur mit der großen Weltpolitik?

Vielleicht ein bisserl was von beiden, aber mit einem klaren Schwerpunkt auf Pasing und München. Wenn man zum Beispiel über eine Bodenrechtsreform diskutiert, die ja Hans-Jochen Vogel mit seinen 91 Jahren wieder ins Gespräch gebracht hat, dann ist man ganz schnell beim Münchner Wohnungsmarkt und den absurden Mietpreisen angekommen. Und wenn wir uns fragen, wofür die SPD heute eigentlich steht, dann auch unter dem Aspekt, wofür die SPD in München heute steht oder stehen soll. Da ist es dann auch ganz wichtig zu hören, was Menschen, die keine Parteimitglieder sind, darüber denken.

Raoul, gibt es schon einen anstehenden Termin für das "neue" Zukunftsforum? 

Das nächste Treffen des Zukunftsforums findet Ende Januar zum Thema „Politik ohne Perspektive - Wofür steht die Sozialdemokratie eigentlich noch im 21. Jahrhundert?“ Der Termin wird auf der Homepage der SPD Pasing www.spd-pasing.de und auf Facebook bekannt gegeben. Wer eine Einladung bekommen möchte schreibt einfach eine kurze Mail an spdinfo@spd-pasing.de  Alle interessierten Bürgerinnen und Bürger sind herzlich eingeladen mitzudiskutieren.

Raoul, vielen Dank für das Interview.

Jens Krumpholz ( Redaktion)