Verbrannte Asche und verbrannte Steuergelder.

...oder auch "was uns Pasingern der Stadtteilmanager 2017 sang -und klanglos hinterlassen hat"


Jetzt veröffentlichte die Stadt München den Rechenschaftsbericht vom Stadtteilmanagement Pasing und das 50 seitige Pamphlet der Zwischen-Evaluation (Stand 2016/17). Hier mein persönlicher Kommentar dazu.

TATSACHENBERICHT ODER MILCHMÄDCHENRECHNUNG?

In der Einleitung des aktuellen Rechenschaftsberichts der Aktiven Zentren Pasing wird im Übrigen sofort auf folgendes hingewiesen:

"Traditionelle Einzelhandels- und Dienstleistungsstrukturen im Allgemeinen und am Standort Pasing im Besonderen befinden sich weiter in einem Strukturwandel. Maßstabssprünge in den Betriebsgrößen, der Rückzug des mittelständischen Einzelhandels und steigende Marktanteile des Onlinehandels sind wesentliche Ursachen dafür. So waren im Stadtteil Pasing bereits vor Durchführung der umfangreichen Baumaßnahmen (schöne Umschreibung für Totalsanierung eines gewachsenen strukturellen und traditionellen Stadtteils) Ansätze eines 'Trade Down' (auf Deutsch: Verödung der Innenstadt) erkennbar."

 

MEINE MEINUNG

 

Warum verschwinden denn trotz Stadtteilerneuerung in exorbitanter Millionenhöhe und verbesserter Verkehrsanbindungen sowie Verkehrsberuhigung weiterhin alteingesessene Händler im ehemaligen Zentrum von Pasing und dies scharenweise? Aktuelle Beispiele: Allein 2016/17 verschwanden aus der einstigen Flanier- und Festmeile, der Gleichmannstraße, trotz der "Verbesserung" u.a. das Schuhhaus Raab, HELAS Parfümerie, Apollo Optik (anstehend) und die Hubertus-Apotheke. An dieser konnten die Kunden im Sommer 2016 Folgendes als Abschiedsinformation lesen: "Wir schließen! der strukturelle Umbau im Zentrum der letzten Jahre zwingt uns leider zu diesem Schritt. Wir bedanken uns für Ihre 40-jährige Treue…"

 

Im Bericht steht, "der Rückzug des mittelständischen Einzelhandels" wäre schuld

 

MEINE MEINUNG

 

Quatsch! Das Schuhhaus Klein schloss seine Pforten wärend der Zeit, als die Gleichmannstraße kriegsähnlichen Zuständen aufgrund der Dauerbaustellen glich, das Bekleidungshaus HALLHUBER zog es zu selbiger Zeit vor, in die durch Laufkundschaft besser belebten und 2011/12 eröffneten Pasing Arcaden zu „ lüchten", wie auch EILLES Pralinen & Kaffeehaus am Eck und zahlreiche weitere mittelständische Unternehmen im einstigen Zentrum Pasings. Sie ahnten wahrscheinlich alle bereits die sich anbahnenden Umsatzkatastrophen in dieser und in anderen Straßen. Einen Kommentar darüber, welche Gewerbetreibenden jetzt in den ehemaligen traditionellen Geschäften ansässig sind, erspare ich mir lieber.

 

Weiter im Bericht: "Die steigenden Marktanteile des Onlinehandels sind wesentliche Ursache dafür“.

 

MEINE MEINUNG

 

Das ist mit Verlaub eine "Milchmädchenrechnung" und kommt den Städteplanern sowie Umbau-Befürwortern natürlich mehr als gelegen. Wieso? Als die Stadtteilsanierung zwischen den Jahren 2011-2015 durchgeführt wurde, mussten die ansässigen Händler auch schon mit dem Internethandel leben. 2012 kam bereits AMAZON auf den Markt und Jahre zuvor kamen die Einzelhändler auch mit dem Katalogverkauf von Unternehmen wie Neckermann, Quelle & Co., deren Kataloge im Frühjahr, Sommer und Herbst in fast allen Briefkästen kostenlos verteilt wurden, bestens zurecht. Außerdem präsentieren und präsentierten sich damals wie heute schon zahlreiche Pasinger Händler im Internet.

 

Im Übrigen gibt es Segmente die überhaupt nicht vom Onlinehandel betroffen sind, wie Schusterbetriebe, Orthopädie-Fachhändler, Hörgeräteservice, gute Tierärzte, Schlüsseldienste, hochwertige Friseursalons, Praxen für Physiotherapie und ähnliche im Viertel wichtige Einrichtungen.

 

KLARE UND EINDEUTIGE GEGENBEWEISE! 

 

Nach aktueller Recherche beträgt der Onlinehandel im Bereich Non-Food zwar 20%, der Online-Anteil bei Lebensmitteln befindet sich aber weiterhin auf sehr niedrigem Niveau. Ähnliches gilt für Artikel des täglichen Bedarfs. Extrem gestiegen sind indes die Onlineumsätze im Bereich elektronischer Artikel und der Mobilfunkbranche.

 

Im Bericht steht auch: „so waren im Stadtteil Pasing bereits vor Durchführung der Baumaßnahmen Ansätze eines Trade-Down-Effekts erkennbar“

 

MEINE MEINUNG

 

Das mag ja alles sein, ist aber gleichzeitig auch nichts Neues. Natürlich haben auch Jahrzehnte zuvor Läden zugemacht oder aus Altersgründen ihre Pforten geschlossen. Meist kam dann jedoch auch wieder etwas Hochwertiges nach. Was jetzt nachkommt, wissen wir doch auch alle: 1 EURO-Läden, Spielsalons, Wettbüros, Billigfriseure in exorbitantem Ausmaß, Gold An- & Verkauf, Shisha-Bars und Dönerläden, aktuell auch immer mehr Läden mit arabisch geprägtem Charakter.

 

Im Übrigen sind Billigfriseure in Pasing keine neue Markterscheinung der letzten 20 Jahre, die gibt es in anderen Stadtteilen genauso.

 

Ich habe mal zurück recherchiert bis 2010. Da sprechen die Statistiken über das ehemalige Zentrum Pasings etwas ganz Anderes, aber auch Persönlichkeiten aus der Öffentlichkeit oder Pressereporter brachten dies in verschiedenen zurückliegenden Presseartikeln bereits richtig zur Ansprache.

 

HIER NUR vier Beispiele von zahlreichen (im Übrigen über 60 an der Zahl im Zeitraum von 2010 bis heute):

 

Beispiel 1: Die Süddeutsche schrieb in einem Artikel aus dem Jahre 2011:

 

ZITAT: „DIE STADT IN DER STADT. Gute Einkaufsmöglichkeiten, viel Kultur und ein eigener Marienplatz: Pasing ist eines der eigenständigsten Viertel Münchens“

 

Beispiel 2: Wochenanzeiger (Nov. 2016) ZITAT: "Wir hatten vorher einen extrem aktiven Einzelhandel“, meinte die stellvertretende BA-Vorsitzende Maria Osterhuber-Völkl. "Es ist sehr bedauerlich, dass davon nichts mehr zu spüren ist.“

 

Beispiel 3: Johannes Krick (Bulwien Studie) sagte gegenüber dem Wochenanzeiger 2011, ZITAT: "Wir müssen Pasing vor allem gleichmäßig entwickeln.“ Bulwien-Planer Johannes Krick lobte Pasing als Handels- und Geschäftsstadt: "Im Prinzip haben wir hier alles da. Die Versorgung ist gut.“

 

Beispiel 4: Nach einer Studie der LMU München im Jahre 2010, veröffentlicht durch die TZ München (7000 Teilnehmer, 25 ausgewertete Stadtteile), bekam Pasing die Stadtteil-Benotung 2,54. ZITAT: "Das Bild des Stadtteils Pasing im Münchner Westen ist geprägt vom kleinstädtischen Charakter mit vielen Grünflächen. Gesamtnote 2,54. Besonders gut schnitt die Gegend bei den Einkaufsmöglichkeiten ab."

 

Mein persönliches Resümee

 

2,8 Millionen Euro Steuergelder, welche vorgesehen waren für die Belebung Pasings, die Unterstützung der Gewerbetreibenden während und nach den extremen Baumaßnahmen, das Vorgehen gegen Leerstände und vor allem den Erhalt und die Ansiedlung eines florierenden Einzelhandels, waren, wie es Jürgen Kirner (ehemaliger Vorstand des Vereins Aktive Zentren) gegenüber dem Werbespiegel genau richtig formulierte ZITAT: "eine systematische Steuerverschwendung". Einen einstimmigen Tenor fand auch der Bezirksausschuss gegenüber der Presse. ZITAT: "Sie empfanden die sechs Jahre Stadtteilmanagement völlig unzureichend, initiativlos und stellenweise sogar kontraproduktiv."

 

In einem aktuellen Brief an die Stadt München vom BA heißt es:

 

"Der Bezirksausschuss sieht die Höhe der Ausgaben für Verwaltung, Miete etc. sehr kritisch. Die Erwartungen, die für dieses Projekt und die inhaltliche Arbeit geweckt wurden, sieht der Bezirksausschuss als zu gering erfüllt an. In der öffentlichen Wahrnehmung ist das Stadtteilmanagement wenig präsent..."

 

Die Süddeutsche schrieb im Jahre 2015 bereits zu den 170.000 Euro teuren Kunsttagen: "Was haben sich die Stadtteilpolitiker vorgestellt? Kurz gesagt: Kunst als Heilmittel für den Flurschaden, der in den vergangenen Jahren im Pasinger Zentrum angerichtet wurde. Durch die Ansiedlung des Einkaufsgiganten Pasing Arcaden ist dort Vieles aus dem Gleichgewicht gerutscht. Eine Shopping Mall mit ein bisschen Pasing dahinter, wie es ein längst wieder weiter gezogener Stadtteilmanager mal formulierte."

 

Im Übrigen kommt das vielen Gewerbetreibenden schon langsam aber sicher vor wie ein Déjà-vu, denn aktuell ist ja Letzterer auch sang- und klanglos wieder verschwunden und hat außer verbrannter Asche den Pasinger Bürgern auch noch verbrannte Steuergelder hinterlassen. Bei einer Summe von 882.000 Euro für Gehälter und Büromiete für den Stadtteilmanager für einen Zeitraum von sechs Jahren stellen sich nun berechtigterweise die Gewerbetreibenden, der Bezirksausschuss und allen voran die Pasinger Bevölkerung die Frage, wie es die kommenden sechs Jahre denn weitergehen soll, nachdem die Stadt München das „Erfolgskonzept" ja um diesen Zeitraum verlängert hat.

 

Da bin ich auch mehr als gespannt!

 

Jens Krumpholz