Foto: Aschenbrenner 2016
Foto: Aschenbrenner 2016
Pasing 20.01.2017
IST DIE VERÖDUNG VOM ZENTRUM PASING NOCH ZU STOPPEN ? 
 
Die Lokalpolitiker und Bürger Pasings erhofften sich vom Umbau eine hohe Aufenthaltsqualität in und um die Bäcker- und Gleichmannstraße sowie dem Pasinger Marienplatz mit florierendem Einzelhandel sowie einem lebendigen Pasinger Stadtkern, leider bis heute Fehlanzeige. Ein öffentliches Statement von BA-Vorsitzende Maria Osterhuber-Völkl bringt es auf den Punkt ZITAT "Wir hatten vorher einen extrem aktiven Einzelhandel“. „Es ist sehr bedauerlich, dass davon nichts mehr zu spüren ist". ZITAT ENDE.
 
Politiker aus dem Rathaus Pasing aber auch in der Innenstadt fast aller Parteien, erklärten den Pasingern allem voran den Gewebetreibenden ZITAT: Nach "Fertigstellung" des Mamut Projekt Ende 2014 würde es höchstens 2 Jahre dauern, bis sich das Zentrum Pasing wieder erholt von seinen 6 jährigen Dauerbaustellen sowie dem neuen Verkehrsleitsystem (NUP), die verscheuchten Kunden würden auch wieder zurückkehren & alles würde sich noch mehr beleben als vorher, alleine schon durch die Ansiedlung eines modernen Shopping Center's ( Stadt in der Stadt-System), von einem urbanen Platz war da sogar die Rede. Der gewünschte Effekt erfüllte sich leider im erhofften Umfang bis heute nicht. Zwischen 2013 bis 2015 fand ein regelrechtes Massensterben wie auch eine Massenflucht von Einzelhandel & Kleingastronomie im einst gut florierenden wenn auch in die Jahre gekommenen Pasinger Stadtkern statt. Selbst im Jahr 2016 schlossen weitere alteingesessene Unternehmen Ihre Pforten für immer nach der exorbitanten & ewigen Stadtteilsanierung, so unter anderem das Schuhhaus Raab nach über 100 Jahren, Schuhhaus Rindle in der Rindle-Passage nach fast 50 Jahren, nach 40 Jahren machte auch die Hubertusapotheke in der Gleichmannstrasse dicht. An der Tür hing eine Zeit lang ein Abschieds-Zettel mit ähnlichem ZITAT: "Wir bedanken uns bei allen Kunden für die 40 jährige Treue". "Die Veränderungen im Zentrum Pasing zwingen uns leider zu diesem Schritt". Die Immobilie im historischen Haus steht bereits seit Sommer letzten Jahres leer. Dort könnte ich mir ein Cafè Haus gut vorstellen mit dem Namen "Cafè Alt Pasing" mit schöner Terrasse davor & innen wie in "guten alten Zeiten" mit historischen Fotos sowie Erinnerungsstücken dekoriert. Es hat schon etwas leicht ironisches an sich, dass genau daneben der "Verein Aktive Zentren Pasing" ansässig ist mit seinem Büro und eigentlich in Zusammenarbeit mit dem Stadtteilmanagement sich darum kümmern sollte, gegen Leerstände vor zugehen?. 
 
Der Traditionskonditor Udo Görgen (ehemals Cafè Glas, 60 Jahre am Platz) in der Planeggerstrasse ist an den idyllisch gelegenen Haidelweg 13 „geflüchtet“, am Pasinger Viktualienmarkt gab die Traditionsbäckerei Keller nach vielen Jahrzehnten Ihre Filiale auf. Gott sei Dank können die Pasingerinnen & Pasinger weiterhin im Stammhaus Gräf-Ecke Bäckerstrasse alle hochwertigen Backwaren einkaufen sowie die leckeren Mittagsmenüs geniesen. Der Räumungsverkauf beim Kaufhaus Kaufring in der Bäckerstrasse ist auch voll im Gange, hier entsteht ein neues moderneres Geschäfts & Wohnhaus. Es wäre wünschenswert wenn die über 30 jährige Tradition dort auch wieder eine Heimat finden könnte.
 
DAS MÄRCHEN VOM "BÖSEN" INTERNET KANN ICH NICHT MEHR HÖREN
Die Diskussion vom neuem Internet-Zeitalter mit AMAZON & Co. ist auch totale Augenwischerei. Mit dem kamen die Händler seit 2008 auch schon bestens zurecht und vor dem Internethandel mussten die Händler in Pasing sogar mit Neckermann, Quelle & Co. schon seit 1983 leben, als diese unsere Briefkästen Jahr für Jahr vollstopften mit Ihren Frühjahrs, Sommer, Herbst & Winterkatalogen und die meisten Händler präsentieren sich schon viele Jahre im Internet, fast alle sind auch auch erflogreich im Online-Handel aktiv. Was ist eigentlich mit den Menschen die keine Klimaanlage in den Centern vertragen oder Angst vor den Rolltreppen & Fahrstühlen haben. Viele nutzen Ihren Einkauf auch gerne für einen kleinen Smalltalk beim Händler und quatschen gerne über dies und das aus Ihrem Stadtteil?
Natürlich hat sich das Kaufverhalten der Konsumenten extrem geändert, nur leider nicht immer zum positiven hin. Mich persönlich würde es nicht wundern, wenn es demnächst bei AMAZON auch frisch gebackene Semmeln gibt mit "Blitz-Lieferservice", die zum aufbacken gibt es ja bereits ab 0,37 Cent pro Stück. Und jene die das alles extensiv nutzen, schaden sich und Ihrer Umwelt selbst. Irgendwann ist es ganz egal ob Du in Wien, Mailand oder Paris Urlaub machst, weil es überall den gleichen mit Verlaub Mißt gibt und die Gebäude auch alle gleich ausschauen. Na Prost Mahlzeit oder Willkommen in der neuen Welt ohne Tradition & Identität des 20. Jahrhundert.
 
EIN GESUNDER MIX AUS TRADITION & MODERNE IST DER SCHLÜSSEL ZUM ERFOLG
Die Pasing Arcaden, die es bei uns gleich im "Doppelpack" gibt sind natürlich Fluch & Segen zugleich für die "Einkaufsstadt Pasing", meine Recherchen zu diesem Thema werde ich dieses Jahr noch auf meinem Blog veröffentlichen. Im Zeitraum von 3 Jahren habe ich zahlreiche Gespräche mit vielen Händlern im Zentrum führen dürfen, wie auch mit den Anwohnern sowie Besuchern im Stadtteil. Zwischen Ohnmacht & Verzweiflung gibt es jedoch auch noch genügend Hoffnung & Zuversicht. Ich weis auch das die Aktiven Zentren, das Stadtteilmanagement, Lokalpolitiker aller Parteien und viele ehrenamtliche Bürger & Bürgerinnen nicht ganz untätig sind und waren in Ihrem geliebten Stadtteil. Die Aktivitäten sind auch immer aktuell auf meinem genannten Blog zu finden ! Das dies auch ein Kampf gegen Windmühlen ist kann ich bestätigen, doch wer nicht wagt der nicht gewinnt.
 
DEMOGRAFISCHER BLITZ-WANDEL ODER GEWINNMAXIMIERUNG HOCH FÜNF ?
Der Abriss traditioneller Gebäude geht auch 2017 munter weiter in Pasing. So verabschiedet sich im April nach vielen Jahrzehnten der Fressnapf in der Bodenseestrasse. Beginnend vom ehemaligen Eisenwerkmann (auch dicht) bis zum Parkplatz vorm Hunde & Katzenfutter-Profi, wird alles abgerissen und gewinnmaximierend sowie voll im Trend liegend natürlich alles mit Wohnraum erschlossen. Was der Umbau in Pasing nicht vernichtet hat, übernehmen jetzt die Investorengeier & Grundstücksbesitzer in Ihre Hand, meist ohne Rücksicht auf traditionelle Verluste. Obwohl im Gesetzbuch (BGB) und in der bayrischen Verfassung klar & eindeutig steht " Eigentum soll zugleich dem Wohle der Allgemeinheit dienen". Ich hoffe doch wenigstens das die Planer in diesem schwach an Handel bestehenden Areal paar Geschäfte oder einen Supermarkt vorgesehen haben. Ich sehe nämlich Tag für Tag ältere Pasinger/innen an meinem Laden mit schweren Penny oder Aldi-Tüten vorbei gehen, oft mit dem sogenannten „Rentner oder Hackenporsche“. Der letzte Bäcker in der Lorzingstrasse hat auch nach vielen Jahren nun aufgegeben. Diese Generation muss leider den weiten Weg zu Fuß Richtung Zentrum in Kauf nehmen. Hin und wieder fragen Sie mich, Herr Krumpholz wo ist denn der Schuster hin & wo ist mein Café Glas? Ich bin immer froh wenn ich zu mindestens wie im Fall des heutigen Zuckerbäcker die Leute an den Haidelweg verweisen kann.
 
Der Traditionsschuster am historischen Eckhaus Planeggerstrasse musste aus "gewinnmaximierenden Gründen" leider ebenfalls schließen. Auf meine Anfrage hin ob er an einen anderen Standort ausweichen wird, Antwort leider NEIN. Die dort ansässige Tanzschule ist auch verschwunden. Die Top Autowerkstatt ist jetzt in Höhe der Pasing-Moschee ansässig. Das komplette identitätsstiftende Gebäude wird in Kürze auch Geschichte in Pasing sein. Vielleicht macht der Stadtteilfotograf Stefan Aschenbrenner vom Kulturverein D'Pasinger auch bekannt durch die erfolgreiche Fotoausstellung " alte Bilder & neue Ansichten", noch paar hochwertige "Schnappschüsse" für unser Pasinger Archiv. Thomas Hasselwander wird diese für die Nachwelt wie schon so viele Erinnerungen sicherlich ehrenvoll archivieren. Unter www.pasinger-archiv.de ist dort im übrigen die neuste Ausgabe 2016 der alljährlichen Broschüre erhältlich.
 
WAS VERSCHWINDET DENN NOCH ALLES BITTE ?
Nach dem nun innerhalb von 10 Jahren soviel vernichtet worden ist, wie der Landsberger Hof mit seinem 300 Plätze- Biergarten, die Pappschachtel am Pasinger Marienplatz inklusiv dem Restaurantbetrieb "Confetti" anno 1922 , dem Kopfbau und den bereits genannten anstehenden Gebäuden für 2017, geht es auch dem Post Saal nach 100 Jahren an den Kragen. Dort haben seit Jahrzehnten viele Pasinger Vereine Ihre Heimat, wie die Weiß-Blaue-Bühne, der Verein der Niederbayern in Pasing oder der Hubertus Sparverein. Seit Weihnachten letzten Jahres können die Pasingerinnen & Pasinger unter www.pasing-muenchen.de auf der dort eingebundenen Onlinepetition Ihre Gegenstimme zum Abriss abgeben. Fast 400 Unterschriften wurden nach 5 Wochen schon gesammelt. Bis Mai 2017 haben alle noch die Möglichkeit mit zumachen, damit nicht die letzte Kulturinstanz für immer aus dem Zentrum Pasing auch noch verschwindet.
 
DIE HÄNDLER SOLLTEN DOCH BITTE NICHT ALLES SCHLECHT REDEN
Immer wieder wollten einige Politiker den Händlern weiß machen, das Ihr "rumjammern" Kontraproduktiv sei.
Wenn die Verantwortlichen genau hingehört & hingeschaut hätten, wäre Ihnen sicherlich aufgefallen das es sich hierbei um Hilferufe und auf politischer Ebene sogar Warnhinweise gehandelt hatte, was leider sehr oft ignoranter Weise mit den heute unübersehbaren Folgen in den Wind geschlagen wurde und im übrigen so schnell konnte niemand irgend etwas "kaputtreden" wie das was alles in Windeseile verschwunden ist und abgerissen wurde. Was wäre denn den Damen & Herren lieber gewesen ? "Friede, Freude, Eierkuchen" oder was ?. Wohin schön Reden geführt hat, will und möchte ich heute nicht mehr darlegen.
 
„TRADITION IST NICHT DAS HALTEN DER ASCHE, SONDERN DAS WEITERGEBEN DER FLAMME.“
Wer genau hinschaut sieht Gott sei Dank noch die Geschäfte welche unseren Stadtteil Lebens -und liebenswert machen.
Ob in der Spiegelstrasse ein Damen oder ein Herrenmode-Geschäft, außergewöhnliche Secondhand Sachen, daneben Schmuck & Handwerkskunst, der Spielzeug-Laden oder Inneneinrichter im selbigen Haus. In der Gleichmannstrasse das älteste Elektro-Haus am Platz, köstliche Pralinen-, feinste Delikatessen-, Hand gemahlener Cafè sowie hausgemachte Wurstspezialitäten finden wir in der ehemaligen Flanier & Festmeile. In der Bäckerstrasse natürlich den historischen Viktualienmarkt mit seinenliebevollen Ständen & Läden, einen BIO Bäcker, ein Trachtengeschäft oder auch einen Fischladen. Das Kaufhaus & der Baumarkt in der Landsbergerstrasse, der Eschenhof mit seinen Läden in der Planeggerstrasse und noch viele mehr. Alle sind es Wert, das WIR genau diese unterstützen oder wenigstens weiterempfehlen, so das Ihre Dienstleistungen und Ihre Schaufenster noch viele Jahrzehnte dem demografischen Wandel stand halten können. Der Begriff Schaufensterbummel hat in vielen Städten Deutschlands schon lange keine Tradition mehr und einige junge Menschen können mit der Bezeichnung schon gar nichts mehr anfangen. Traurig genug diese Entwicklung. Stellen WIR uns alle gemeinsam dieser Herausforderung. ICH BIN AUF JEDEN FALL DABEI !
 
MEIN HEUTIGES ENDRESUMEE
Sicher ist, verschwindet auch noch die letzte Tradition, verschwindet auch die letzte Identität eines der ältesten Stadtteile München's, einst sogar eigenständige Stadt. Jetzt liegt auch alle Hoffnung am neu geplanten Magneten, dem Geschäfts & Wohnhaus am Pasinger Marienplatz. Auf der Petition der CSU Seite "Rettet den Marienplatz" können die Bürger/innen Pasings abstimmen wie viel Parkplätze dort schlussendlich zur Verfügung stehen sollen. Ich hoffe im Sinne eines ULTIMA RATIO das diese "Drei Höfe Architektur" unseren Pasinger Marienplatz wieder zur Mitte Pasing's verhilft und die "Goldmaria" auf der Mariensäule, schon BALD wieder vergnügte & fröhlicher Gesichter erblicken kann.
 
Jens Krumpholz ( ein immer noch hoffnungsvoller Pasinger)